Du sollst nicht foulen!

Die Fußballregeln und die Zehn Gebote – ein Zusammenhang?

 

 „Schiedsrichter raus“, schreien aufgebrachte Zuschauer, die mit den Leistungen des Schiri nicht einverstanden sind. Und wenn er etwas übersieht, was er eigentlich hätte sehen müssen, kommt ein weiterer empörter Ausruf aus der Fan-Kurve. Der heißt dann: „Schiedsrichter Telefon“! Die Tatsache, daß es kein Punktspiel im Fußball ohne Schiedsrichter geben kann, macht schon deutlich, daß Fußball kein Spiel ist, das man so einfach spielt, sondern daß ein Regelwerk dahinter steht. Wenn es keine Regeln gäbe, würde jedes Fußballspiel chaotisch auslaufen: Die Spieler würden nach dem Prinzip „Das Recht des Stärkeren“ verfahren. Rücksichtslosigkeit würde sich breit machen und Körperverletzungen wären die Regel.

 

Was hat das Fußballspiel mit den 10 Geboten zu tun? Fußball ist Fußball, ein Spiel mit 22 Männern, oder auch Frauen, die einem Ball nachjagen. Doch bei näherem Hinsehen gibt es viele Gemeinsamkeiten. Martin Luther hat einmal gesagt, die Gebote Gottes seien dazu da, um Chaos in der Welt zu verhindern. Sie sind nicht nur Verhaltensregeln für Christen, damit sie Gottes Willen tun. Sie sind genauso Leitlinien für alles menschliche Verhalten auf der ganzen Welt, damit sie nicht auseinander bricht und Menschlichkeit nicht vor die Hunde geht.

 

Beim Fußball geht es um ein Spiel, aber auch um viel Geld, um Ehrgeiz und Anerkennung, um Aufstieg oder Abstieg. Existenzen hängen daran. Indirekt spiegelt sich das Leben darin, wie es ist. Wie damals im alten Ron will der Zuschauer „Brot und Spiele“ haben. Hauptsache, das Spiel ist spannend, Tore fallen und der bevorzugte Verein gewinnt. Und dafür braucht das Fußballspiel Regeln, nach denen sich beide Mannschaften verhalten. Und diese Regeln haben eine Menge mit den 10 Geboten zu tun. Der Schiedsrichter ist dafür verantwortlich, daß die Regeln eingehalten werden. Dafür steht ihm ein Strafkatalog zur Verfügung, den er je nach Schwere des Regelverstoßes anwendet.

 

Sehen wir uns fünf Regeln an und ziehen wir jeweils Verbindungslinien zu einem der Gebote Gottes.

 

1)     Du sollst nicht foulen.

 

Was ist ein Foulspiel? Wenn zum Beispiel einer dem anderen von hinten die Beine weghaut. Oder ihn mit gestrecktem Bein angreift und dabei Verletzungsgefahr heraufbeschwört, oder, oder …

 

Beim Foul geht es um ein Verhalten, das dem Gegner körperlich schaden kann. Und die Verhinderung oder Ahndung eines Fouls dient dazu, die Gesundheit der Spieler zu schützen. Es geht um die Sicherheit des einen Spielers gegenüber dem anderen, um Fairplay. Spiel soll Spiel bleiben und darf nicht umkippen in Mord und Totschlag. Und damit diese Sicherheit gewährleistet bleibt, muß es ein Regelwerk geben und einen Schiedsrichter, der es kennt und anwendet. Er muß bei einem Foul entscheiden, ob er eine Ermahnung ausspricht oder ob er die gelbe bzw. sogar die rote Karte zieht.

 

„Du sollst nicht töten“,

 

heißt das 5. Gebot. Hier handelt es sich im Grunde um den gleichen Sachverhalt. Zwar hat kein Fußballer die Absicht, jemanden auf dem Spielfeld umzubringen, aber wer durch ein rüdes Foul Gesundheit riskiert, der riskiert auch das Leben. Darum die strengen Strafen bei harten Fouls. Entscheidend ist: Mein Mitmensch muß geschützt werden. Er hat die gleiche Menschenwürde wie ich. Das gilt für den Fußball, aber auch für jede andere Art des Zusammenlebens.

 

2)     Du sollst nicht beleidigen.

 

Ein anderes Delikt im Fußball ist die Schiedsrichterbeleidigung. Auch das darf kein Spieler ungestraft tun. Hier hat der Schiedsrichter das Recht, nach seinem Ermessen zu verwarnen oder aber eine Karte zu zeigen. Das gleiche gilt auch für den Umgang der Spieler miteinander. Den anderen anspucken oder absichtlich wegstoßen kann schon die rote Karte nach sich ziehen, auch wenn keine schwere Körperverletzung zu erwarten war. Auch hier soll die Menschenwürde bewahrt werden und damit Wertschätzung und Achtung.

 

„Du sollst nicht falsch Zeugnis reden“

 

weist in eine ähnliche Richtung. Hier geht es zwar nicht zuerst um Beleidigung, aber auch um Achtung und Wertschätzung. Wer „falsch Zeugnis“ redet, mißachtet den, über den er herzieht. Hier ist die Kultur des Miteinanders gemeint. Sie ist kostbar, sie gilt es zu entwickeln und zu schützen.

 

3)     Du sollst in deinen Grenzen bleiben.

 

Beim Fußball gibt es klar gesteckte Grenzen. Da ist die Spielfeldumrandung: Wenn der Ball die Seitenlinie oder die Torauslinie überschreitet, muß der Schiedsrichter pfeifen. Der Ball ist dann „aus“, und die Mannschaft hat Einwurf, die das „aus“ nicht verursacht hat. Dann gibt es den 16-Meter-Raum: Wenn in diesem Raum ein Foul begangen wird, egal welcher Art, gibt es Elfmeter. Schließlich der 5-Meter-Torraum: Hier darf der Torwart vom Gegner nicht angegriffen werden. Hier ist er frei und kann sich entfalten.

 

All das heißt, daß es hier klare Grenzziehungen gibt, die kein Spieler mißachten darf. Er muß auf dem Spielfeld bleiben und darf nicht fremdes Terrain besetzen.

 

Denken wir bei den 10 Geboten auch an das erste, in dem es heißt:

 

„Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“

 

Damit sagt Gott dem Menschen deutlich, daß er ihm allein gehören soll. Der Mensch soll um seiner selbst willen in seinen Grenzen bleiben. Jeder Versuch der Grenzüberschreitung hat mit Größenwahn zu tun, wenn der Mensch versucht, wie Gott zu sein. Dabei ist die Engführung, bei dem einen Gott zu bleiben und nicht nach links oder rechts zu schauen, doch die Stärke, die Leben verheißt und nicht Tod.

 

4)     Du sollst die Pausen einhalten

 

Beim Fußball gibt es wie im Leben sonst auch einen Rhythmus von Spiel und Pause. Jedes Spiel hat zwei Hälften. Dazwischen ist eine Pause, in der die Spieler regenerieren sollen. Kein Schiedsrichter wird ein Spiel zur zweiten Halbzeit anpfeifen, ohne die Pause beachtet zu haben. Ähnliches gilt für die Zeit zwischen den Spielen. Hier müssen die Trainer auf den Zeitplan achten. Auch hier sind Ruhezeiten unverzichtbar: Wer dagegen verstößt, wird über kurz oder lang schweren Schaden erleiden.

 

So ist es auch mit dem biblischen Gebot  „Du sollst den Feiertag heiligen.“

 

Es hat einen hohen Stellenwert in der Bibel: Kein Gebot wird so oft zitiert wie dieses, und keins wird der Gemeinde so ernst vorgehalten. Am sechsten Tag wurde der Mensch geschaffen, sagt die Bibel, und am siebenten Tag ruhte Gott von seiner Arbeit. Das heißt, daß der erste Lebenstag des Menschen ein Ruhetag war. Die Ruhe vor Gott, das Zur-Ruhe- kommen des Menschen gehört zu seiner Geschöpflichkeit.

 

Wenn nun auch in der Welt des Fußballs die Ruhepause eine wesentliche Rolle spielt, so scheint darin zugleich etwas auf von dem Feiertagsgebot in der Bibel.

 

5)     Du sollst nicht bestechen

 

Was hier beschrieben ist, gilt zum Glück nicht für jedes Fußballspiel. Aber es kommt vor, und wenn das aufgedeckt wird, gibt es regelmäßig einen Bestechungsskandal. Mit Bestechung ist gemeint, daß Spieler eines Vereins, vor kurzem sogar Schiedsrichter Geld annehmen, damit sie ein falsches Ergebnis produzieren helfen, z.B., daß sie Torschüsse nicht verhindern oder Elfmeter geben, wo es keine geben dürfte. Mit solchen Machenschaften wird viel Geld verdient, vor allem von denen, die im Hintergrund sitzen und das Geld für die Bestechung gegeben haben. Ein komplizierter Sachverhalt, aber voller Realität! Hier tritt der Staatsanwalt in Aktion, und die Strafen fallen viel härter aus als die, die ein Schiedsrichter auf dem Platz verhängen kann.

 

Gottes gutes Gebot lautet anders, aber es meint dasselbe. Das neunte und zehnte Gebot sprechen davon, daß wir nicht begehren sollen, was anderen gehört. Da heißt es:

 

„Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.“

 

Die Sucht nach Geld, egal wodurch es kommt, beherrscht das Denken vieler Menschen. Die Begehrlichkeit kennt keine Schranken. Darum wollen diese beiden Gebote hier Grenzen ziehen. Bestechlichkeit gehört zu den großen Versuchungen des Menschen, genauso wie die Begehrlichkeit. So sind wir auch hier nicht mehr nur beim Fußball, sondern mitten im Leben.

 

Schauen wir uns allein nur diese fünf Aussagen an. Sie zeigen deutlich, wie dicht das Regelwerk im Fußball an dem dran ist, was die Zehn Gebote formulieren. Genauer gesagt: Die Zehn Gebote als die Grundordnung Gottes für alles menschliche Leben spiegeln sich auch im Regelwerk des Fußballs. Sie helfen, daß Menschen zu schützen und vor Schlimmem zu bewahren. Darin zeigt sich folgerichtig auch der Sinn der Zehn Gebote: Sie sind Schutzworte Gottes und keine starren Einengungen.

Wer die Zehn Geboten nicht als Schutzworte Gottes sehen will, der kann es an den Fußballregeln leicht erkennen: Gottes Regelwerk tut Menschen gut, bewahrt vor Chaos und macht Leben lebenswert.

 

Das Fußballspiel wird nur dann eine Freude für Spieler und Zuschauer bleiben, auch bei der EM 2008, wenn die Regeln eingehalten werden. So ist das auch sonst: Die Zehn Gebote sind Wegmarkierungen und Schutzworte für gelingendes Leben.

 

Hartmut Bärend
Quelle: Entscheidung 3_2006 www.entscheidung.org