Der Fußball - dein Leben

Rund ist er, ohne Anfang und Ende. Schwarz und weiß, die Farben klar voneinander abgesetzt, aber nur in der Ruhephase. Ist der Ball in Bewegung, rutschen die Farbtöne zusammen und werden grau. Und er muß rollen, dieser Ball. Er muß durch die Luft geknallt werden, auf- und niederspringen, federn. Sonst wäre er nicht das, was er ist – das volle Leben! 

Während er stürmisch vorangetrieben wird, bekommt er viele Puffe. Jeder Fußtritt befördert ihn weiter – hin zum Tor! Zunehmend gewinnt er an Geschwindigkeit, jagt durch das Spielfeld, wird abgebremst, wieder losgetreten, rennt und rennt. Immer ist einer da, der sich dazwischen stellt, dem es gelingt es, die runde Faszination zu stoppen. Für Sekunden hält der Fuß des Gegners den Ball fest, dreht ihn aufgeregt hin und her, stößt ihn weiter. Da sind die Abwehr und hier der Partner, der den Ball übernimmt, ihn weiterspielt, immer weiter, bis er ihn gezielt ins Tor platziert. Tempo, Tempo. Intensität. Pulsierendes Leben, atemlos, dann Szenenwechsel: langsamer, immer langsamer und schließlich Stillstand. Auch sie ist nötig, diese Zeit der Ruhe. Dann liegt es nur einfach da, das runde Leder, und wartet auf seinen nächsten Einsatz. 

Leidenschaftlich nehmen die Zuschauer Anteil. Sie klatschen begeistert, wenn der Ball am Torwart vorbei schließt und das Netz tief eindellt, bis es sich zitternd zusammenkrümmt. Sie pfeifen und schreien wütend, wenn ihnen das Spiel nicht gefällt, wenn unfair gespielt wird, wenn die Sympathie Mannschaft verliert. Wer nicht mittendrin steckt, weiß es immer besser.  

So ist auch mein Leben: dieser Gegensatz von schwarz und weiß, von Tag und Nacht, von wach sein und schlafen, von Geschwindigkeit und Ruhe. Da bin ich mitten im Spielfeld, leiste ganzen Einsatz, bin manchmal im Mittelfeld, dann wieder in der Verteidigung, schließlich im Sturm, habe Erfolg, versage auch, werde gelinkt, ja, man spielt mich sogar ab und an ins Aus. 

Und doch, ist es nicht atemberaubend dieses Leben? Immer wieder die unerbittliche Herausforderung: Gewinn oder Verlust? Dicht gefolgt von der angstvollen Frage:

Wer hilft mir, wenn ich im Abseits bin?


Doch da gibt es einen. Seine Augen folgen mir. Ihm entgeht nichts, kein Foul, kein guter Schuß, selbst meine Gedanken liegen offen vor ihm. Er möchte nichts lieber, als daß ich das Ziel erreiche, meine Bestimmung finde. Er sieht, wie ich kämpfe und unterstützt mich, viel mehr als ich mir vorstellen kann. Jeden Tag neu. Er ist der, der diese Welt regiert, der Allmächtige und Barmherzige. Das Netz seiner überwältigenden Liebe fängt mich auf. 

Autor: Irmhild Bärend

Quelle: Entscheidung 3_2006 www.entscheidung.org