Fitness für die Seele

„Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“, sagt der Volksmund oft – und meistens sehr treffend: Jeder von uns ertappt sich in Situationen, in denen es noch etwas Übung bedarf, die Dinge noch nicht so rund laufen, wie sie eigentlich laufen sollten oder könnten.„

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“: Dieser Satz trifft auch auf unser Miteinander mit Gott zu. Gott will entdeckt werden. Er möchte, daß wir ihm begegnen. Und am besten geht das in der Stille, also morgens, ganz früh, wenn der Kopf noch nicht voll, übervoll oder verstopft ist von den Dingen, die mindestens zwölf Stunden nonstop auf uns einströmen.

 

Es gibt eine „fromme Industrie“, die uns helfen will, diese „Stille Zeit“ still werden zu lassen. Andachtsbücher mit kurzen und langen Gedanken, Tagebücher zur inneren Reflexion, CDs mit sanfter Musik, Kalender zum Abreißen oder Umblättern. Beliebt, bewährt und empfehlenswert die Herrnhuther Losungen, die mit zwei Bibelversen und kurzen, passenden Textverweisen Nahrung zum Nachdenken liefern. Egal, wofür Sie sich entscheiden – oder was vielleicht bereits zu Ihrem treuen Begleiter wurde: Es lohnt sich, den Tag mit Gott zu beginnen. Denn er ist schon da. Er hat Sie nachts nicht aus den Augen gelassen und freut sich, wenn Sie mit ihm in den Tag starten. Wenn Sie sich Zeit und Stille nehmen, um auf ihn zu hören.

 

Gott erwartet nicht, daß Sie als „Meister“ vor ihm stehen. Es ist in Ordnung, wenn nicht jedes Gebet flüssig über Ihre Lippen kommt, Sie einen Bibeltext nicht verstehen und es ihm auch sagen. Gott freut sich über jeden, der bekennt: „Ich bin Lehrling“, denn die Gemeinschaft mit ihm will eingeübt werden, über Tage und Wochen, Monate und Jahre. Wir sind nicht erst dann für die Begegnung mit ihm vorbereitet, wenn wir glauben, alles perfekt zu beherrschen. Wir alle sind lebenslang Lernende und doch jederzeit herzlich willkommen. Sagen Sie Gott, daß Sie ohne ihn hilflos sind, mit leeren Händen vor ihm stehen. Er hat zugesagt, sie zu füllen – und er hält sein Versprechen.

 

Gott möchte sich Ihnen ganz persönlich zuwenden. Sein Geheimnis: Er spricht gerade in der Stille. Er braucht weder Andachtsbücher noch Abreißkalender: Er braucht allein Sie – und Ihre Bereitschaft zum Investment. Es liegt an Ihnen, in diesen besonderen Start in den Tag zu investieren: Ihre Zeit ist gefragt und Ihr Wille, den „inneren Schweinehund“ zu überwinden. Zu gerne würde man sich noch einmal im Bett unter der warmen Decke umdrehen und die Augen wieder zumachen. Zu dringend der erste Termin des Tages, der ach-so-wichtig ist und Gott den ersten Rang ablaufen will. Zu dies, zu das… die „Weg-Zieher“ oder „Ab-Lenker“ machen ihrem Namen alle Ehre.

 

Max Lucado, ein amerikanischer Pastor und Schriftsteller, hat einmal geschrieben: „Stellen Sie sich Ihr Herz für einen Moment als ein Gewächshaus vor. Wie ein Gewächshaus muß auch Ihr Herz gepflegt werden. – Stellen Sie sich Ihre Gedanken für einen Moment als Saatkörner vor. Aus einigen Gedanken werden Blumen. Aus anderen wird Unkraut. Säen Sie die Saat der Hoffnung, so werden Sie sich zum Optimisten entwickeln. Säen Sie die Saat des Zweifels, so müssen Sie mit Unsicherheit und mangelnder Geborgenheit rechnen. Der Beweis findet sich, wohin Sie schauen. Haben Sie sich schon mal gefragt, warum einige Leute, als wären sie teflonbeschichtet, die Fähigkeit haben, negative Gedanken abzuweisen und geduldig, optimistisch und nachsichtig zu bleiben? Könnte es sein, daß diese Leute die Saat der Güte fleißig ausgesät haben und sich jetzt an der Ernte erfreuen? Haben Sie sich schon mal gefragt, warum andere einen dermaßen grantigen Eindruck machen oder eine so pessimistische Ausstrahlung haben? Es würde auch Ihnen nicht anders ergehen, wenn Ihr Herz ein Gewächshaus voller Unkraut und Dornen wäre.“ *

 

Investieren Sie in Ihre Stille Zeit, in die leisen Momente der bedächtigen Aussaat. Säen Sie in Ruhe. Furche für Furche. Jeden Morgen neu. Dann wird die Saat aufgehen, Frucht bringen und Sie werden ernten. Lassen Sie sich überraschen!

 

 

Autor: Maike Fethke
*Quelle: Max Lucado, „Gnade für den Augenblick“, S. 43, Francke-Verlag, 2004

Quelle: Entscheidung 3_2006 www.entscheidung.org